Walter Ebert

70 Jahre Schach

Ludwig-Schirner-Ehrenpreis für Walter Ebert

Der 91-jäh­rige Walter Ebert begann 1947 mit dem Schach­spiel. Dieses Jahr kann er damit auf sieben Jahr­zehnte Schach zurück­bli­cken. In Wür­di­gung seiner Lebens­leis­tung wurde ihm vom Schach­be­zirk Ober­franken der Ludwig-Schirner-Ehren­preis, die höchste Aus­zeich­nung des Ver­bands, verliehen.

Sicher­lich ist es der Spe­zifik des Schachs­ports geschuldet, dass Walter Ebert so lange aktiv tätig ist, aber unab­hängig davon, ist es eine bewun­derns­werte Leis­tung, 66 Jahre einem Verein anzu­ge­hören und 70 Jahre aktiv am Son­ne­berger Schach­ge­schehen teilzunehmen.

Geboren wurde Walter Ebert am 25. Februar 1926 in Son­ne­berg. Nach der Schul­zeit erlernte er im damals modernsten Zahn­rad­werk Europas, zwi­schen Bet­tel­he­cken und Wil­den­heid gelegen, den Beruf des Werk­zeug­ma­chers.  Obwohl noch nicht voll­jährig, blieb auch ihm das Drama des Zweiten Welt­kriegs nicht erspart.

Nach dem ver­hee­renden Krieg fanden sich auch in Son­ne­berg einige  Schach­en­thu­si­asten zusammen, um wieder in Ruhe und Frieden ihren geliebten Schachs­port zu betreiben. Auch Walter Ebert war dabei und grün­dete mit einigen Gleich­ge­sinnten die Abtei­lung Schach inner­halb der FDJ-Spiel­ge­mein­schaft Son­ne­berg. An der ersten Nach­kriegs-Stadt­meis­ter­schaft 1948 nahmen 25 Schach­freunde teil, ein Rekord­ergebnis, das man heute gerne hätte. Der Rou­ti­nier Otto Reupke wurde Stadt­meister, Walter Ebert musste noch Erfah­rungen sam­meln und lan­dete im Mittelfeld.

Da sich die Orga­ni­sa­ti­ons­struktur des Sports erst all­mäh­lich ent­wi­ckelte, gab es für Walter Ebert noch einige Ver­eins­wechsel. Nach der FDJ-Sport­ge­mein­schaft, erfolgte 1948 die Neu­grün­dung der Sparte Schach inner­halb der SG Ein­tracht Son­ne­berg. Bedau­er­li­cher­weise endete die Geschichte des Ver­eins „Ein­tracht“ bereits nach einem Jahr und mit der Grün­dung der zen­tralen Betriebs­sport­ge­mein­schaft „Indus­trie“ im Juli 1949, mussten sich die Schach­spieler wieder neu ori­en­tieren.  Dies hatte zur Folge, dass viele Schach­freunde ver­är­gert waren und in den beiden fol­genden Jahren kaum noch Wett­kämpfe und Tur­niere stattfanden.

Es folgte die Phase der Neu­grün­dungen von so genannten Betriebs­sport­ge­mein­schaften (ein finanz­starker Betrieb fun­gierte als Trä­ger­be­trieb), Walter Ebert lan­dete mit einigen seiner Schach­freunde bei der BSG Post Sonneberg.

Eine Wende zum Posi­tiven trat erst ein, als die BSG Tur­bine Son­ne­berg am 20. April 1951 im Rahmen einer Fei­er­stunde in der Gast­stätte Erho­lung gegründet wurde. Anfang des Jahres 1952 kam die Sek­tion Schach hinzu. Mit Rolf Haus­dörfer fand sich auch ein Orga­ni­sator, der es schaffte, alle starken Schach­spieler Son­ne­bergs bei der Tur­bine zu zentralisieren.

Als neues Spiel­lokal fand man im Spei­se­saal der Ener­gie­ver­sor­gung in der Sta­lin­straße (heute Bern­hard­straße) einen schönen und geräu­migen Saal. Diese Spiel­stätte sollte über 40 Jahre das Heim für die Tur­bine Schachs­portler werden und war auch quasi das zweite Wohn­zimmer von Walter Ebert.

Unter der Feder­füh­rung der BSG Tur­bine wurde dann ab 1953/54 regel­mäßig Stadt­meis­ter­schaften durch­ge­führt, an der sich sowohl aktive als auch nicht­ak­tive Schachs­portler betei­ligen konnten. Nach dem Abgang einiger starker Spieler kam den ver­blie­benen Rou­ti­niers, zu denen mitt­ler­weile auch Walter Ebert gehörte, eine tra­gende Rolle zu. Bis weit in die 70er-Jahre gehörte er zur ersten Gar­nitur des Ver­eins. In dem Bestreben seinen geliebten Schachs­port weiter vor­an­zu­bringen, absol­vierte er meh­rere Schieds­rich­ter­lehr­gänge und fun­gierte bei vielen Wett­kämpfen als Tur­nier­leiter und Kampf­richter. Um 1954 wurde die Klas­si­fi­zie­rung inner­halb des Schach­ver­bandes neu gere­gelt. Walter Ebert über­nahm inner­halb des Kreis-Fach­aus­schusses die Klas­si­fi­zie­rung der Schach­freunde und übte diese Tätig­keit bis 1986 aus.

Nachdem er in den 70er-Jahren dem Alter und dem nach­drän­genden Nach­wuchs Tribut zollen musste, hielt er dem Verein weiter die Treue und ver­stärkte die 2. Mann­schaft, die ab 1974 auch höher­klassig spielte. Eine wei­tere Zäsur gab es Mitte der 90er-Jahre. Zusammen mit Dr. Alfred Heinz, einem wei­teren Senior, spielte er nun in der 3. Mann­schaft. In dieser wurden talen­tierte Jugend­liche wie Chris­to­pher Hartleb und Ronny Schloßer sys­te­ma­tisch in den Erwach­se­nen­be­reich geführt, wo sie sich schnell eta­blieren konnten. Bis 2015 nahm die 3. Mann­schaft am Punkt­spiel­be­trieb teil, und Walter Ebert war stets zur Stelle. Seit sich die 3. Mann­schaft auf­grund von Spie­ler­mangel zurück­ziehen musste, half Walter Ebert im Not­fall in der 2. Mann­schaft aus.

Wegen seiner vielen anderen Ver­pflich­tungen, sowohl fami­liär, als auch in der katho­li­schen Kirche sowie in der Klein­gar­ten­an­lage Wald­haus, konnte Walter Ebert selten Tur­niere im Kreis oder Bezirk mit­spielen. Aller­dings ließ er es sich nicht nehmen, bei den BSG- und Stadt­meis­ter­schaften sowie den Punkt­spiele mit­zu­spielen. Er war und ist die Ver­kör­pe­rung des vor­sich­tigen und zurück­hal­tenden, aber mann­schafts­dien­li­chen Spie­lers. Da er selten das letzte Risiko ein­ging und öfter auch mal ein Remis akzep­tierte, blieben ihm spek­ta­ku­läre Spit­zen­plätze bei Meis­ter­schaften ver­sagt. Seine größten Erfolge hatte er in den 50er- und 60er-Jahren, als er sechsmal in Folge unter den ersten Sechs bei der Stadt­meis­ter­schaft lan­dete. Zweimal in den Jahren 1958/59 und 1959/60 belegte er sogar Platz 3. In den Punkt­spielen gab es kaum ein Spiel, das Walter Ebert ver­säumte. In spä­teren Jahren kie­bitzte er oft bei den Heim­kämpfen der 1. und 2. Mann­schaft, freute sich an den Erfolgen der jün­geren Garde und litt mit ihnen bei Miss­er­folgen und Abstiegen.

In seiner langen Schach­lauf­bahn konnte Walter Ebert zahl­reiche Aus­zeich­nungen ein­heimsen. Bereits 1965 erhielt er die Ehren­nadel des DTSB in Bronze und 1973 die Ehren­ur­kunde des DTSB. Im Jahre 1974 folgte die Ehren­nadel des DTSB in Silber. Im Rahmen der Fei­er­lich­keiten zum 25-jäh­rigen Jubi­läum der BSG Tur­bine wurde er mit der Ehren­nadel des DSV in Silber aus­ge­zeichnet. Auch nach der Wende blieb er aktiv. Neben wei­teren Aus­zeich­nungen durch die SG 1951 Son­ne­berg, erhielt er 2001 wäh­rend des Ober­frän­ki­schen Schach­kon­gresses in Schney den Ehren­teller des Ober­frän­ki­schen Schach­ver­bandes. Ins­ge­samt hat Walter Ebert min­des­tens 330 Punkt­spiele absol­viert und dabei davon knapp 50% der Punkte erkämpft. Es sind mit Sicher­heit noch einige Spiele mehr, weil die Auf­stel­lungen in den Punkt­kämpfen der 50er-Jahre nicht bekannt sind.

Die Aus­zeich­nung mit dem Ludwig-Schirner-Preis ist nun die Krö­nung seines Lebenswerks.

Schreibe einen Kommentar